Mit einem Primärversorgungssystem möchte die Bundesregierung insbesondere den Hausarzt als zentrale Anlaufstelle in der ambulanten Versorgung etablieren. Dabei spielen interprofessionelle Teams aus qualifiziertem, nicht-ärztlichen Personal eine entscheidende Rolle, denn sie entlasten die Praxen und schaffen Kapazitäten. Eine aktuelle Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) bestätigt, dass Sachsen-Anhalt sehr gut für dieses Modell gerüstet ist. Mit knapp 60 Prozent verfügt das Land bundesweit über den höchsten Anteil an Hausarztpraxen, in denen qualifizierte Gesundheitsfachkräfte wie NäPA (Nicht-ärztliche Praxisassistenten) oder VERAH (Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis) tätig sind.
Magdeburg, 13. Oktober 2026 - NäPA und VERAH spielen eine entscheidende Rolle bei der Entlastung von Praxen, denn sie übernehmen beispielsweise Aufgaben bei Hausbesuchen, in der Wundversorgung oder bei der Betreuung chronisch kranker Menschen. „Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel und den steigenden Behandlungsbedarf werden solche interprofessionellen Teams immer wichtiger. Sie ermöglichen eine arbeitsteilige Versorgung und entlasten Ärzte, wodurch zusätzliche Kapazitäten in den Praxen entstehen“, sagt Kay Nitschke, Leiter des Geschäftsbereichs ambulante und stationäre Versorgung bei der AOK Sachsen-Anhalt.
Die WIdO-Analyse zeigt, dass Sachsen-Anhalt mit fast 60 Prozent bundesweit den höchsten Anteil an NäPA-/VERAH-Praxen hat. In den Landkreisen Harz, Stendal und Altmarkkreis Salzwedel liegt der Anteil sogar bei über 70 Prozent (siehe Tabelle). Solche Praxen versorgen der Analyse zufolge anteilig etwas mehr chronisch kranke und pflegebedürftige Patienten. 84 Prozent der NäPA- und VERAH-Praxen boten zudem Hausbesuche an, die von qualifizierten Gesundheitsfachberufen durchgeführt wurden. In Praxen ohne diese Fachkräfte waren es nur 36 Prozent.
Ambulante Versorgung braucht klare Strukturen
Für viele Patienten ist das heutige Gesundheitssystem zu unübersichtlich. Sie müssen sich häufig selbst durch verschiedene Versorgungsangebote navigieren. Das führt nicht selten zu langen Wartezeiten und unnötigen Umwegen. Aus Sicht der AOK Sachsen-Anhalt sind Veränderungen in der ambulanten Versorgung notwendig.
Sie unterstützt deshalb die Pläne der Bundesregierung zu einer verbindlichen Primärversorgung mit klaren Zuständigkeiten. Dabei sollen Hausarztpraxen eine zentrale Steuerungsfunktion übernehmen, die Behandlung koordinieren und bei Bedarf gezielt an Fachärzte weitervermitteln. Dadurch werden Behandlungswege klarer und die Versorgung effizienter.
„Der Bedarf an medizinischer Versorgung steigt, während die personellen Ressourcen begrenzt sind. Deshalb müssen wir die vorhandenen Kompetenzen noch besser nutzen. Die Ergebnisse des WIdO zeigen, dass Sachsen-Anhalt bereits heute viele Strukturen erfolgreich lebt, die künftig die Grundlage für das Primärversorgungssystem bilden sollen“, sagt Nitschke.
Hausarztmodell in Sachsen-Anhalt als Vorbild
Dass Sachsen-Anhalt bundesweit den höchsten Anteil an Praxen mit NäPA und VERAH aufweist, ist kein Zufall. Das Land setzt seit mehr als 20 Jahren mit dem Hausarztmodell erfolgreich auf die hausarztzentrierte Versorgung (HZV). Dort übernimmt der Hausarzt bereits heute die Rolle der ersten Anlaufstelle und koordiniert die weitere Behandlung.
Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) initiierte 2008 mit Partnern ein Modellprojekt zum Einsatz von mobilen Praxisassistentinnen (MOPRA). Bundesweit wurde zu einem späteren Zeitpunkt mit NäPA und VERAH eine besondere Qualifikation für Medizinische Fachangestellte etabliert. Diese unterstützen den Hausarzt beim Versorgen hauptsächlich von chronisch Kranken. Die VERAH-Fortbildungen der KVSA werden bis heute rege angenommen.
„Eine effiziente Steuerung der Patienten, wie sie mit der hausarztzentrierten Versorgung erfolgt, ist und bleibt aus unserer Sicht unerlässlich. Der Hausarzt kennt den Patienten und seine Krankheitsgeschichte am besten und lotst ihn zügig in die für seine Beschwerden richtige Versorgungsebene“, so Dr. Jörg Böhme, KVSA-Vorstandsvorsitzender. „Für effektive Praxisabläufe ist eine teamorientierte Struktur wichtig. Dabei kommt besonders qualifiziertem medizinischem Fachpersonal eine wesentliche Rolle zu: Es entlastet die Hausärzte von delegierbaren Aufgaben und optimiert die Patientenversorgung in und außerhalb der Praxis. Wichtig dabei ist auch die finanzielle Förderung des Einsatzes über den gemeinsam mit dem Hausärzteverband Sachsen-Anhalt geschlossenen HZV-Vertrag.“
Quelle: AOK Sachsen-Anhalt
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