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Sachsen-Anhalt: Eigenanteile für Pflegeheimbewohner erneut deutlich gestiegen / Höchste Veränderungsrate in Deutschland nach Hamburg

Auch Mitte 2026 sind die Eigenanteile für Pflegeheimbewohner in Sachsen-Anhalt gestiegen. Foto: AOK

Die finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen, die in Sachsen-Anhalt im Pflegeheim leben, ist auch Mitte 2026 erneut gestiegen. Das ergab eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Die durchschnittliche Gesamtbelastung liegt bei 2.274 Euro pro Monat. Zur finanziellen Entlastung der Pflegebedürftigen und ihrer Familien fordert die AOK Sachsen-Anhalt deshalb unter anderem, die Ausbildungs- und Investitionskosten aus den Eigenanteilen herauszulösen. 

Magdeburg, 24. August 2026 - Die aktuelle Analyse zeigt, dass die Gesamtkosten für einen Heimplatz Mitte 2026 in Sachsen-Anhalt bei 4.736 Euro lagen. Von diesen übernahm die Pflegekasse im Durchschnitt 1.537 Euro als Leistung zum Pflegegrad. Zudem hat sie im Durchschnitt 926 Euro als Leistungszuschlag nach Wohndauer erstattet.

„Der sogenannte pflegebedingte Eigenanteil für Heimbewohner betrug nach Abzug der nach Wohndauer gestaffelten Leistungszuschläge der Pflegeversicherung 1.087 Euro, hinzu kamen im Schnitt 856 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 330 Euro für Investitionskosten“, erklärt Corinna Beutel, Leiterin des Geschäftsbereichs Gesundheitsversorgung und Pflege bei der AOK Sachsen-Anhalt. „Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Gesamtbelastung von 2.274 Euro pro Monat.“

Besonders interessant ist der enorme Anstieg des pflegebedingten Eigenanteils seit Jahresbeginn. Um durchschnittlich 12 Prozent ist dieser Betrag in Sachsen-Anhalt in den letzten sechs Monaten gestiegen, was nach Hamburg die bundesweit größte Veränderungsrate darstellt. (siehe Grafik)

Große regionale Unterschiede

Das WIdO hat die Daten auch nach Landkreisen ausgewertet (siehe Tabelle). Am meisten für ihre Pflege mussten demnach die Pflegeheimbewohner im Burgenlandkreis zahlen. Nach Abzügen der Leistungszuschläge nach Wohndauer lag der pflegebedingte Eigenanteil hier bei 1.165 Euro – im Vergleich zu Ende 2025 ein Anstieg um 12,7 Prozent. Am niedrigsten war der Betrag im Altmarkkreis Salzwedel mit 959 Euro. Doch auch hier betrug der Anstieg seit Ende 2025 mehr als 13 Prozent. Der geringste Anstieg des pflegebedingten Eigenanteils lag mit rund 7 Prozent in Halle (Saale), der höchste im Landkreis Mansfeld-Südharz mit über 15 Prozent.

Verglichen nach Bundesländern hat Sachsen-Anhalt allerdings mit 4.736 Euro nach wie vor die geringsten Gesamtkosten. Am meisten zahlen Pflegeheimbewohner in Baden-Württemberg mit durchschnittlich 5.612 Euro.

AOK: Entlastung durch Übernahme der Ausbildungs- und Investitionskosten 

Um die finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen spürbar zu reduzieren, fordert die AOK Sachsen-Anhalt eine strukturelle Entlastung der Eigenanteile. „Dazu gehört erstens, die Ausbildungskosten vollständig aus den Eigenanteilen herauszulösen“, sagt Corinna Beutel. „Obwohl die Finanzierung über einen landesweiten Ausgleichsfonds erfolgt, tragen Pflegebedürftige weiterhin einen erheblichen Teil dieser Kosten über die Entgelte der Einrichtungen.“

Zweitens sollten laut Beutel die Investitionskosten der Pflegeheime als Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge konsequent von den Ländern übernommen werden. „Jeder Euro, der hier nicht durch Landesmittel gedeckt wird, erhöht unmittelbar die Eigenanteile der Bewohnerinnen und Bewohner“, sagt Beutel.

Drittens fordert die AOK, Pflegeleistungen flexibler auszugestalten. Beutel: „Heute sind die Leistungsansprüche strikt nach ambulanter und stationärer Versorgung getrennt. Dadurch werden bedarfsgerechte Mischformen häufig erschwert.“ Ein einrichtungsunabhängiges Budget würde es ermöglichen, Pflegeleistungen stärker am individuellen Bedarf auszurichten und vorhandene Mittel effizienter einzusetzen. „So könnten unnötige Heimaufenthalte vermieden und die finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen reduziert werden, ohne dass zusätzliche Ausgaben der Pflegeversicherung erforderlich wären“, so Beutel.

 

Quelle: AOK Sachsen-Anhalt

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